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Blut-, Lymphdrüsenkrebs
Inhalt:

Blut- und Lymphdrüsenkrebs


*** ERKRANKUNGSBILD ***


Die Begriffe „Blut- bzw. Lymphdrüsenkrebs“ umfassen eine Reihe bösartiger Erkrankungen.

a) Lymphdrüsenkrebs (= Lymphom)
Diese Erkrankung ist gekennzeichnet durch eine unkontrollierte Zellvermehrung des lymphatischen Systems. Das lymphatische System spielt eine wichtige Rolle in der körpereigenen Immunabwehr. Es besteht aus Lymphgefäßen und Lymphknoten, wobei die Lymphgefäße die Lymphflüssigkeit durch den Körper zu den Lymphknoten transportieren. Lymphknoten haben die Aufgabe, Keime und andere schädliche Stoffe herauszufiltern und schließlich zu zerstören. Dies erklärt, warum Lymphknoten oft anschwellen, wenn im Körper eine Infektion bekämpft wird. Somit wird aber auch deutlich, dass nicht jede Lymphknotenschwellung automatisch auf eine Krebserkrankung hindeutet. Dauert eine Schwellung länger als drei Wochen, ohne dass eine Infektion (z.B. grippaler Infekt) besteht, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Abhängig von der Zellart, die betroffen ist, entstehen verschiedene Typen von Lymphdrüsenkrebs, die in ihrer Art, im Krankheitsverlauf sowie in der Therapie unterschiedlich sind. Grundsätzlich wird zwischen Hodgkin-Lymphomen und der Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome unterschieden. Bei allen Hodgkin-Lymphomen tritt eine gewisse Zellart auf, die nach ihrem Entdecker, dem englischen Arzt Thomas Hodgkin, benannt wurde. Es handelt sich hierbei um eine seltene Erkrankung, die gehäuft um das 20. und 40. sowie um das 70. Lebensjahr auftritt. Hodgin-Lymphome sind grundsätzlich gut behandelbar und weisen auch in einem fortgeschrittenen Stadium noch eine hohe Heilungsrate auf.

Bei Non-Hodgkin-Lymphomen erfolgt eine unkontrollierte Vermehrung von speziellen weißen Blutkörperchen, den so genannten Lymphozyten, die sich vor allem in den Lymphknoten, in den Mandeln, im Knochenmark und in der Leber befinden. Diese weißen Blutkörperchen lassen sich wiederum in B- und T-Lymphozyten einteilen. Innerhalb dieser Gruppen gibt es wiederum weitere Formen, sodass mittlerweile 32 Non-Hodgkin-Lymphome unterschieden werden.

Vereinfacht lässt es sich folgendermaßen ausdrücken: Non-Hodgkin-Lymphome betreffen alle bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems mit Ausnahme des Morbus Hodgkin. Der Krankheitsverlauf erfolgt entweder schnell und aggressiv oder langsam und schleichend mit langer beschwerdefreier und auch therapiefreier Zeit.
Die Non-Hodgkin-Lymphome haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen, wobei die Erkrankung ab dem 60. Lebensjahr vermehrt auftritt.

b) Blutkrebs:
Bei Blutkrebs (= Leukämie) kommt es zu einer vermehrten Bildung von weißen Blutkörperchen (= Leukozyten) und deren unreifer, funktionsuntüchtiger Vorstufen. Diese Leukämiezellen reichern sich im Knochenmark und im Blut an, verdrängen die gesunden Blutzellen und können zudem Organe wie Milz, Leber und Lymphknoten befallen und diese in ihrer Funktion beeinträchtigen.

Abhängig vom Krankheitsverlauf wird zwischen akuten und chronischen Leukämien unterschieden. Kennzeichnend für akute Leukämien sind rasche Zellteilungen, die eine Störung der Organfunktionen bedingen und unbehandelt in wenigen Tagen bis Wochen zum Tod führen können. Je nachdem, welche Art der Leukozyten betroffen ist, spricht man von einer akuten lymphatischen (ALL) oder akuten myeloischen Leukämie (AML).
Akute Leukämien betreffen vor allem Kinder und Jugendliche sowie Menschen ab dem 60. Lebensjahr. Junge Patienten sind häufiger von der lymphatischen Leukämie betroffen, Erwachsene eher von der myeloischen Form.

Auch bei den chronischen Blutkrebserkrankungen erfolgt die Einteilung in eine lymphatische (CLL) sowie in eine myeloische Leukämie (CML). Beiden ist gleich, dass sich die Krankheit langsam entwickelt und somit auch schleppend voranschreitet. Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste aller Blutkrebserkrankungen. Sie ist gekennzeichnet durch eine unkontrollierte Vermehrung der Lymphozyten in den Lymphknoten, im Knochenmark und im Blut. Bei der CML hingegen vermehren sich die weißen Blutkörperchen unkontrolliert.

Blut- und Lymphdrüsenkrebserkrankungen haben ähnliche Mechanismen. Ob es sich nun um ein (Non-) Hodgkin-Lymphom oder eine Leukämie handelt, hängt letztlich davon ob, welche Ursprungszelle der weißen Blutkörperchen im Blut nachgewiesen werden kann.

Die Symptome verlaufen sowohl beim Blut- als auch beim Lymphdrüsenkrebs sehr unspezifisch. Meist beginnen die Erkrankungen mit schmerzfreien, geschwollenen Lymphdrüsen, die vorwiegend am Hals oder im Achselbereich auftreten. Betroffene fühlen sich oft müde und abgeschlagen, klagen über Grippe ähnliche Beschwerden sowie Fieberschübe und Nachtschweiß. Weiters kann es zur Bildung von blauen Flecken durch Gerinnungsstörungen sowie zu Appetitlosigkeit und starker Gewichtsabnahme kommen. Verhängnisvoll ist, dass diese Vorzeichen meist innerhalb weniger Wochen entstehen und im Falle einer akuten Leukämie rasch fortschreiten, daher sollte so schnell als möglich ein Arzt aufgesucht werden um eine Behandlung einzuleiten.

Die Krankheitsursachen sind nach wie vor nicht vollständig geklärt. Als Risikofaktoren werden jedoch krebserregende Umwelteinflüsse (z.B. Benzol, ionisierende Strahlung etc.), genetische Faktoren oder ein stark geschwächtes Immunsystem genannt.


*** VORSORGE UND FRÜHERKENNUNG ***

Bei Blut- bzw. Lymphdrüsenkrebs gibt es keine Möglichkeiten zur Früherkennung, daher werden auch keine Vorsorgeuntersuchungen angeboten.

Erfreulicherweise spielt die Vererbung bei all diesen Krebsarten nur eine sehr geringe Rolle. Somit müssen beispielsweise Eltern keine Angst haben, dass sie die Erkrankung an ihre Kinder weitergeben.

Krankenhaus Barmherzigen Schwestern Linz, Interne I


*** „ALLES AUS EINER HAND“ – Diagnose- und Therapieangebote ***

Die Abteilung Interne I – Hämatologie und internistische  Onkologie ist mit 90 Betten die größte Abteilung für Innere Medizin in Linz. 2/3 aller dort behandelten Patienten sind Menschen mit onkologischen oder hämatologischen Erkrankungen. Hämatologische Erkrankungen (= Erkrankungen des blutbildenden Systems) können auch gutartig sein. Durch den onkologischen Schwerpunkt und die Größe der Abteilung weisen die dort tätigen Internisten viel Erfahrung und Spezialwissen über sämtliche Krebserkrankungen auf. Die hier tätigen Oberärzte sind Spezialisten, besitzen den Zusatzfacharzttitel für Hämatologie und internistischer Onkologie und setzen sich auch mit sehr seltenen Tumorleiden auseinander.

Leukämien und Lymphome sind vielschichtige Erkrankungen, die nach hochkomplexen Diagnose- und Therapieverfahren verlangen. Die Abteilung Interne I – Hämatologie und internistische  Onkologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz hat für diese diffizilen Aufgaben zwei Speziallabors: das Labor für hämatologische Spezialdiagnostik sowie das Labor für Molekularbiologie und Tumorzytogenetik, das Österreichweit eine Vorreiterrolle einnimmt. Die beiden Einrichtungen bieten Untersuchungen von biologischen Veränderungen an Zellen und Erbsubstanz an. Diese gezielten Analysen sind wesentliche Voraussetzungen für die exakte Diagnosestellung und machen eine maßgeschneiderte und zielgerichtete Therapie für jeden einzelnen Patienten („personalisierte Krebstherapie“) erst möglich. Zudem lassen diese Spezialuntersuchungen auch Aussagen über die Heilungschancen der Betroffenen zu.


*** Therapieangebote ***
International etablierte Behandlungsverfahren bei Leukämien und Lymphomen sind aktuell so genannte „zielgerichtete Therapien“. Mittels Analyse der Oberflächenmerkmale des Tumors – im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz durch das Labor für hämatologische Spezialdiagnostik abgedeckt – können dessen Zellveränderungen erforscht und das bösartige Gewebe dadurch gezielt eliminiert werden. Das Abtöten der Tumorzellen erfolgt mit einer so genannten Antikörpertherapie, die umliegendes, gesundes Gewebe schont.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellen so genannte„Tyrosinkinasehemmer“ dar. Diese stoppen gezielt jene Signale, die das Wachstum der Tumorzelle forcieren. Die hierfür notwendigen Analysen werden im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz im hauseigenen Labor für Molekularbiologie und Tumorzytogenetik vorgenommen. Erfreulicherweise können diese Medikamente als Tablette oral eingenommen werden.

Leukämien und Lymphome weisen vor allem dann gute Heilungschancen auf, wenn sie akut auftreten und aggressiv wachsen. Von den langsam wachsenden Formen sind heute ebenfalls viele gut behandelbar und können zum Teil zurück gedrängt bzw. in eine chronische Erkrankung übergeführt und dadurch über Jahre unter Kontrolle gebracht werden.
In nächster Zeit wird die Zahl der maßgeschneiderten Therapien zunehmen. Hierfür spielt vor allem das Verständnis für die Abläufe in der Tumorzelle eine große Rolle. Denn abhängig von den Veränderungen in der Krebszelle können für jeden Patienten individualisierte Behandlungsangebote („personalisierte Krebstherapie“) abgeleitet werden.
Diese Aussichten werden einerseits die Heilungsraten erhöhen, andererseits können Krebsleiden dadurch für lange Zeit in chronische Erkrankungen übergeführt werden – und das bei guter Lebensqualität.
Um den Patienten diese Möglichkeiten zugänglich zu machen, ist es schon heute wichtig, am Fortschritt teil zu haben und die Zukunft aktiv mitzugestalten. Dies gelingt einerseits durch die Teilnahme an nationalen wie internationalen Studien, andererseits durch den Austausch und die Vernetzung mit weltweit führenden Zentren.

An der Abteilung Interne I des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz nehmen derzeit ca. 100 Patienten an Medikamentenstudien teil. Sie haben dadurch die Möglichkeit, rasch an neue Therapien zu kommen. Weiters ist die Abteilung mit dem europäischen Leukämienetzwerk verbunden, die Mitarbeiter fahren weltweit auf Kongresse und fördern durch Informationsveranstaltungen (regelmäßige Abhaltung des Onkologischen Kolloquiums am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern) für Hämatologen und Onkologen den gezielten Wissensaustausch in ganz Oberösterreich.


*** ECKDATEN ZUR ABTEILUNG INTERNE I – HÄMATO-ONKOLOGIE: ***

  • Leiter: Prim. Univ.-Prof. Dr. Andreas Petzer
  • Bettenanzahl: 90
  • Jährlich behandelte Patienten mit Lymphdrüsenkrebs: 126
  • Jährlich behandelte Patienten mit chronischen oder akuten Formen von Blutkrebs: 134
  • Jährlich behandelte Patienten mit hämatologisch gutartigen Erkrankungen: 138
  • Im Sinne eines integrierten Versorgungskonzeptes werden jährlich auch 250 Brustkrebspatientinnen und 150 Darmkrebspatienten an der Abteilung Interne I therapiert.

*** ECKDATEN ZUM BLUT- UND LYMPHDRÜSENKREBS: ***

Blutkrebs - akute Leukämie:

  • Häufigkeit: 4 Fälle pro 100.000 Einwohner im Jahr

Blutkrebs - chronische Leukämie:

  • Häufigkeit chronisch lymphatische Leukämie: 3 Fälle pro 100.000 Einwohner im Jahr
  • Häufigkeit  chronisch myeloische Leukämie: 1,5 Fälle pro 100.000 Einwohner im Jahr
  • Blutkrebs insgesamt – Neuerkrankungen in OÖ: ca. 150
  • Blutkrebs insgesamt – Todesfälle in OÖ: ca. 120

Lymphdrüsenkrebs:

  • Häufigkeit Morbus Hodgkin: 2 bis 4  Fälle pro 100.000 Einwohner im Jahr
  • Häufigkeit Non Hodgkin: 5 bis 10 Fälle pro 100.000 Einwohner im Jahr
  • Morbus Hodgkin – Neuerkrankungen in OÖ: ca. 30
  • Non Hodgkin – Neuerkrankungen in OÖ: ca. 200
  • Morbus Hodgkin – Todesfälle in OÖ: ca. 7
  • Non Hodgkin – Todesfälle in OÖ: ca. 90

Quelle: Statistik Austria

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