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Gynäkologisches Tumorzentrum - Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz
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Therapie/Therapieangebot

Auf dem therapeutischen Sektor sind in den letzten zehn Jahren sehr wesentliche Entwicklungen vonstattengegangen. Immense technische, therapeutische und wissenschaftliche Fortschritte helfen, das Wesen von Tumoren sowie die Abläufe in deren Zellen besser zu verstehen. Durch dieses Wissen ist es möglich, jeder Patientin eine individuelle, auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Behandlung zukommen zu lassen.

Im Wesentlichen basiert die Therapie auf vier Säulen:

Operation
Bestrahlung
Antikörpertherapie
Chemotherapie

Je nach Tumorstadium, Alter der Frau, Begleiterkrankungen usw. werden die jeweiligen Möglichkeiten entweder einzeln angewendet, kombiniert, gleichzeitig oder hintereinander eingesetzt. Welches Therapieschema für welche Frau am besten geeignet ist, wird für jede Patientin individuell erarbeitet.

Die Zukunft gehört der zielgerichteten Behandlung von Tumoren, da die Eigenschaften bösartiger Erkrankungen exakter diagnostiziert und somit noch individueller therapiert werden können. Bereits mittelfristig wird es möglich sein, genetische Profile der einzelnen Krebserkrankungen zu erstellen.

Endometriumkarzinom

Vor jeder operativen Behandlung eines Endometriumkarzinoms ist eine sorgfältige präoperative Abklärung durchzuführen. Diese Untersuchungen erlauben bereits eine erste Beurteilung der Invasionstiefe, der Tumorausbreitung und geben Hinweise auf den Lymphknotenstatus im Becken und in der Paraortalregion.

Die operative Therapie des Endometriumkarzinoms ist mit Ausnahme der weit fortgeschrittenen Stadien als Therapie der Wahl anzusehen. Laparoskopische Techniken sind mittlerweile in der gynäkologischen Onkologie weitgehend etabliert.

Die Behandlung und Form der Therapie von Gebärmutterkörperkrebs, hängen von Tumorstadium, Tumorgrading und Alter der Patientin ab. Bei Gebärmutterkörperkrebs ist die Entfernung der Gebärmutter mitsamt den beiden Eierstöcken meist der erste Therapieschritt. Oft ist auch eine Lymphknotenentfernung im Bereich des kleinen Beckens, in manchen Fällen auch im Bereich der Hauptschlagader oder der Hauptvene im Bauchraum erforderlich. Der Eingriff erfolgt nach Möglichkeit minimal-invasiv mittels Laparaoskopie oder Roboteroperation - das erspart den großen Bauchschnitt. Gerade beim Gebärmutterkörperkrebs, der oft stark übergewichtige Frauen betrifft, ist eine solche Operationsmethode vorteilhaft, weil bei diesen Patientinnen ein Bauchschnitt deutlich schlechtere Heilungstendenzen zeigt als bei Normalgewichtigen.
Nach Vorliegen aller Befunde entscheidet ein interdisziplinäres Team, das Tumorboard, ob ergänzend eine Strahlentherapie und/oder eine Chemotherapie nötig sind. Eine alleinige Strahlentherapie kommt nur bei Patientinnen in Frage, die nicht operiert werden können.

Ovarialkarzinom

Die Therapie hängt davon ab, wie weit das Ovarialkarzinom fortgeschritten ist, ob es sich bereits im Bauchraum ausgebreitet hat und ob weitere Organe betroffen sind.
Bei unkomplizierten Zysten stehen auch medikamentöse Therapieverfahren zur Verfügung. Zwei Anwendungsbereiche können hier unterschieden werden: die Therapie von bereits bestehenden Zysten und die Prävention. Zur Anwendung kommen verschiedene Hormontherapien (Östrogen-Gestagen-Kombinationen, Gestagene, GnRH-Analoga, Danazol). Während die medikamentöse Therapie von bestehenden Zysten gegenüber rein abwartendem Management keine wesentlichen Vorteile brachte und somit nicht mehr indiziert ist, scheint die Prävention im Sinne einer Ovulationshemmung sinnvoll.

Bei komplizierten Zysten und soliden Eierstocktumoren ist in jedem Fall auch vor dem Wechsel eine chirurgische Abklärung und Therapie erforderlich. Nach dem Wechsel liegt bei bestehen bleibenden Zysten, bei komplizierten Zysten, soliden Eierstocktumoren und bei erhöhten CA 125 Werten eine absolute Operationsindikation vor.

Die Therapie des Eierstockkrebses besteht üblicherweise aus einer aufwändigen, langen Operation, die einer großen chirurgischen Expertise und Interdisziplinarität vor allem mit Chirurgen und Urologen bedarf. Bei der Operation müssen der Tumor und seine Absiedlungen so vollständig wie möglich entfernt werden. In Abhängigkeit vom Tumorstadium müssen dazu beide Eierstöcke, die Eileiter, die Gebärmutter, das große Bauchnetz und evtl. auch die Lymphknoten im kleinen Becken und entlang der großen Bauchgefäße entfernt werden. Bei darmübergreifenden Prozessen werden auch Teile des Darms entfernt. Entscheidend für die weitere Prognose ist nämlich auch, ob möglichst alle sichtbaren Krebszellen, die sich im Bauchraum breit gemacht haben, erwischt werden.

Wenn eine chirurgische Behandlung aufgrund des Allgemeinzustandes der Patientin oder auch aufgrund des weit fortgeschrittenen Tumorstadiums als zu riskant für die betroffene Patientin eingeschätzt wird, kann eine neoadjuvante Chemotherapie (Chemotherapie vor der Erstoperation) den Tumor verkleinern und so eine Operation zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen.
Oftmals muss nach der Operation eine nachfolgende Chemotherapie durchgeführt werden, um noch vorhandene Krebszellen zu eliminieren. Sie wirkt im ganzen Körper und erreicht auch Tumorzellen, die sich möglicherweise weiter entfernt vom Ursprungstumor eingenistet haben.

Für Patientinnen im fortgeschrittenen Krankheitsstadium steht seit Dezember 2011 zudem eine Antikörpertherapie zur Verfügung. Der eingesetzte Wirkstoff (ein sogenannter Angiogenesehemmer) bindet an Wachstumsfaktoren des Tumors und verhindert somit die Neubildung von Blutgefäßen, die für die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen zuständig sind.

Zervixkarzinom

Im Frühstadium (mikroinvasives Zervixkarzinom, FIGO Ia1) ist eine Konisation ausreichend, vor allem dann, wenn die Patientin noch einen Kinderwunsch hat. Dabei werden ein kegelförmiger Teil des Muttermunds und die Schleimhaut des Gebärmutterhalskanals entfernt. Bei größeren, aber auf die Gebärmutter begrenzten Tumoren ist die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) mitsamt ihrem Halteapparat und den Lymphknoten entlang der großen Beckengefäße die übliche Therapie.
Die Operation erfolgt per Bauchschnitt. Wie auch beim Eierstockkrebs kann, je nach Ausbreitung des Tumors, die Entfernung benachbarter Organe und umliegenden Gewebes erforderlich sein. Da hohe Radikalität bei der Entfernung mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden ist, wird oft versucht, weniger radikal vorzugehen.

Im Falle einer bestehenden Schwangerschaft ist das weitere Vorgehen abhängig vom Tumorstadium sowie vom Fortschritt der Schwangerschaft. Das mikroinvasive Karzinom kann durch eine Konisation vollständig entfernt werden, die Schwangerschaft ausgetragen und das Kind auf natürlichem Weg geboren werden. In späteren Tumorstadien und einem frühen Stadium der Schwangerschaft sollte die entsprechende chirurgische Behandlung des Tumors durchgeführt werden, was gleichzeitig einen Abbruch der Schwangerschaft bedeutet. Ist die Schwangerschaft bereits weiter fortgeschritten, sollte mittels Kaiserschnitt eine Geburt so bald als möglich eingeleitet und danach eine Hysterektomie mit Lymphknotenentfernung durchgeführt werden.

In fortgeschrittenen Stadien ist eine kombinierte Strahlentherapie mit Chemotherapie erforderlich. Diese Behandlung wird in enger Kooperation mit den Strahlentherapeuten durchgeführt. Nach einer Operation ist eine postoperative Radiotherapie kombiniert mit einer Chemotherapie nur bei Patientinnen notwendig, die ein hohes Risiko für ein Wiederauftreten der Erkrankung haben. Patientinnen mit befallenen Resektionsrändern bei der Operation, mit befallenen Lymphknoten sowie befallenen Parametrien sollten eine postoperative Strahlen-/Chemotherapie erhalten. Des Weiteren sollten Frauen mit zwei der drei folgenden Risikofaktoren ebenso eine Strahlen-Chemotherapie erhalten: großes Tumorvolumen, tiefe Stromainvasion im Bereich des Gebärmutterhalses sowie Invasion von Lymph- bzw. Blutgefäßen. Bei der Strahlentherapie stehen zwei Verfahren zur Verfügung: die Kontaktbestrahlung und die perkutane Hochvoltbestrahlung. In der Erstbehandlung mit heilender Absicht werden sie kombiniert eingesetzt. Bei der Kontaktbestrahlung wird für kurze Zeit ferngesteuert eine Strahlenquelle in die Scheide eingebracht. Dadurch lässt sich die Strahlung mit exakter Planung sehr gezielt einsetzen: Das Tumorgewebe wird zerstört – ohne umliegende, empfindliche Organe wie Blase und Darm zu sehr zu belasten. Bei der perkutanen Hochvoltstrahlung wird die Bestrahlung von außen durch die Haut vorgenommen. Auch hier trägt die computerunterstützte Bestrahlungsplanung dazu bei, dass gesundes Gewebe möglichst wenig belastet wird.
Strahlen- und Chemotherapie werden heute meist kombiniert eingesetzt, da sie so wirksamer und die Behandlungsergebnisse besser sind.

Nach Beendigung der Therapie sollten betroffene Patientinnen im Abstand von drei bis vier Monaten für die ersten 3 Jahre in regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen stehen. Im vierten bis fünften Jahr sollten 6-monatliche Kontrollen stattfinden. Vom 6. bis zum 10. Jahr nach der Primärtherapie sollten bei unauffälligem Verlauf jährliche Nachsorgekontrollen erfolgen.

Vulvakarzinom

Die chirurgische Entfernung des Primärtumors ist der wichtigste Behandlungsinhalt vor allem im Frühstadium eines Vulvakarzinoms. Beim Vulvakarzinomstadium I oder II wird der Tumor mit einem Sicherheitsabstand umschnitten. Bei frühinvasiven Vulvakarzinomen (Invasion <1mm) ist keine Lymphknotenentfernung in der Leistengegend notwendig, bei allen anderen Tumoren sollte zumindest auf der betroffenen Seite im Bereich der Leiste Lymphknoten entnommen werden.

Nach einer Primäroperation muss in Fällen von nicht komplett reseziertem Tumor oder bei Lymphknotenmetastasen im Bereich der Leiste eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Für fortgeschrittene Tumorstadien wird heutzutage eine präoperative Behandlung mit einer zeitgleich durchgeführten Chemotherapie und Radiotherapie empfohlen.

EIN UNTERNEHMEN DER VINZENZ GRUPPE UND DER ELISABETHINEN